Die Forschung der letzten Jahre hat nun aber tatsächlich „Fresshormone“ identifiziert, die das Sättigungs- oder Hungergefühl steuern und damit auch mit Übergewicht verbunden sind. Versuche und Untersuchungen wurden mit zahlreichen Spezies gemacht u.a. mit Mäusen, Menschen und Hunden.

Es ist also doch an der Zeit diese Fresshormone mit den teils unaussprechlichen Namen mal näher vorzustellen.

Beginnen wir mit dem Leptin. Es regelt das Hungergefühl. Leptin wird hauptsächlich in den Fettzellen produziert und kommuniziert mit den Nevenzellen im Bereich des Hypho-thalamus. Was bereden die so? Volle Fettspeicher führen zu einer hohen Leptinpro-duktion. Die Nervenzellen am registrieren das und melden dem Individuum: „Du hast keinen Hunger mehr!“ Eine leerer Fettspeicher ist mit wenig Leptin verbunden und das Gehirn meldet: „Du hast Hunger. Der Fettspeicher ist leer und muss aufgefüllt werden!“ Genial, oder? Mäuse deren Leptingen defekt war, entwickelten ein ausgeprägtes Übergewicht.

Auch eine Versuchsreihe mit Hunden konnte zeigen, dass bei übergewichti­gen Hunden der Leptinwert deutlich höher war als bei normal-gewichtigen Hunden.

Das nächste Fresshormon hat den kryptischen Namen Cholecystokinin. Seine Aufgabe ist die Aktivierung von Bauchspeicheldrüse und Gallenblase. Gebil­det wird es im Dünndarm. Dieses Fresshormon soll dem Gehirn melden, dass genügend Nahrung aufgenommen wurde. Ist diese Nachrichtenübertragung gestört, tritt kein Sättigungsgefühl ein und der Hund frisst und frisst, wenn man ihn lässt.

Das dritte Hormon im Bunde ist das Ghrelin in Kooperation mit dem Neuropep­tid Y. Was tun die? Sie beeinflussen die Nahrungsaufnahme durch ihre appe­titsteigernde Wirkung.

Alle Forschungen in diesem Bereich deuten darauf hin, dass genetische De­fekte zu einer Fehlprogrammierung der Fresshormone führen. Für Hunde mit einem solchen Defekt heißt das, dass sich kein Sättigungsgefühl einstellt und sie immer Hunger haben. Ein furchtbarer Zustand, den jeder kennt, der schon einmal gefastet hat.

Eine Studie von Eleanor Raffan von der University of Cambridge muss in die­sem Zusammenhang ebenfalls erwähnt werden. Sie hat Labradore und Flat Coated Retriever getestet. Bei den übergewichtigen Hunden war ein Gen namens „POMC“stark verkürzt. Dieser Defekt führt wieder dazu, dass be­stimmte Botenstoffe, die das Hungergefühl abstellen, nicht ausreichend pro­duziert werden. Laut dieser Studie waren 23% der Tiere betroffen.

Und nun noch ein Zitat eines Co-Autors dieser Studie – Dr. G. Yeo:

“Labradors make particularly successful working and pet dogs because they are loyal, intelligent and eager to please, but importantly, they are also rela­tively easy to train. Food is often used as a reward during training, and car­rying this variant may make dogs more motivated to work for a titbit. But it’s a double-edged sword – carrying the variant may make them more trainable, but it also makes them susceptible to obesity. This is something ow­ners will need to be aware of so they can actively manage their dog’s weight.”

Da haben wir also Hunde, die aufgrund eines Gendefektes immer Hunger haben. Und der Vorteil soll dann sein, dass sie leicht und immer trainierbar sind. In meinem blonden Gehirn poppt dann der Gedanke hoch, dass man dann genau mit diesem Labradortyp mit Gendefekt weiter gezüchtet hat, um den leicht trainierbaren und immer motivierten Hund zu haben. Das würde auch erklären, warum das Problem mit den Staubsauger-Labbis in den letzten Jahren ex-ponentiell gestiegen ist. Aber das würde der Mensch ja wohl nicht machen, Hunde züchten, die immer Hunger haben. Oder etwa doch? Der Gedanke lässt mich jedenfalls nicht mehr los.

Fakt ist, es kann beim Hund defekte „Fresshormone“ geben, die ein dauern­des Hungergefühl verursachen. Der Hund ist ständig auf der Suche nach Fut­ter und es droht Übergewicht.

Null-Diäten oder „Friss die Hälfte“ sind hier sicher nicht zielführend, sondern verschlimmern das Problem.

Besser sind wahrscheinlich viele, kleine Mahlzeiten, kniffelige Kau- und Futter­spiele sowie verstärkte Bewegung!

Mit solchen Hunden zu züchten ist aus meiner Sicht Qualzucht. Man stelle sich vor, wir hätten immer Hunger. Gruselig.

Literatur oder Links: